
Lammas –
Das Fest der ersten Ernte
Lughnasadh · Schnitterinnenfest · Ernte · Entscheidung · Dankbarkeit
Der Sommer ist noch da. Die Sonne wärmt die Erde, die Felder stehen golden und die ersten Früchte sind reif.
Was über viele Monate gewachsen ist, kann nun geerntet werden.
Lammas ist das erste Erntefest im Jahreskreis. Es ist ein Fest der Fülle und der Dankbarkeit – und zugleich ein Fest des Schneidens und Entscheidens.
Denn Ernten bedeutet nicht nur, etwas zu empfangen.
Um das Korn einzubringen, muss es geschnitten werden.
Lammas lädt uns ein, auch auf die eigenen Felder unseres Lebens zu schauen:
Was ist in meinem Leben reif geworden?
Was möchte ich ernten und zu mir nehmen?
Und wovon ist es Zeit, mich zu trennen?
Erkennen, was gewachsen ist
Seit dem ersten leisen Erwachen zu Imbolc ist viel geschehen.
Wir haben dem Neuen Raum gegeben, sind aufgebrochen, haben unsere Lebenskraft gefeiert und zu Litha die Fülle des Sommers wahrgenommen.
Nun beginnt die Ernte.
Auch in unserem Leben gibt es Dinge, die Zeit brauchen, bis sie Früchte tragen. Entscheidungen, die wir getroffen haben. Beziehungen, die wir gepflegt haben. Projekte, für die wir uns eingesetzt haben. Innere Wege, die wir gegangen sind.
Manches davon ist vielleicht inzwischen so selbstverständlich geworden, dass wir kaum noch wahrnehmen, wie viel darin gewachsen ist.
Lammas lädt uns ein, hinzuschauen.
Was darfst du heute als Frucht deines eigenen Weges anerkennen?
Schneiden heisst entscheiden
Die Ernte trägt ein kraftvolles Bild in sich.
Die Schnitterin muss entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Ist das Korn reif, wird es geschnitten. Bleibt es zu lange stehen, kann die Ernte verloren gehen.
Auch unser Leben verlangt manchmal nach einem klaren Schnitt.
Entscheiden bedeutet, eine Möglichkeit zu wählen – und damit andere Möglichkeiten loszulassen. Das kann Mut brauchen. Denn nicht immer wissen wir, was nach einer Entscheidung kommen wird.
Lammas erinnert uns daran, dass Loslassen nicht nur Verlust bedeutet.
Manchmal ist der Schnitt notwendig, damit wir überhaupt ernten können.
Was ist reif für eine Entscheidung?
Was möchtest du bewahren?
Und was darf zurückbleiben?
Das erste Brot
Lammas ist eng mit dem Korn und dem Brot verbunden. Der Name wird auf das angelsächsische hlaef-mass zurückgeführt – die „Brotmesse“ oder das „Fest des Brotlaibs“.
Aus dem ersten geernteten Getreide wurde Brot gebacken, gesegnet und miteinander geteilt.
Darin liegt ein schlichtes und zugleich tiefes Bild: Aus vielen einzelnen Körnern entsteht etwas, das nährt.
Vielleicht können auch wir uns fragen:
Was nährt mich wirklich?
Und ebenso:
Was kann ich aus meiner eigenen Fülle weitergeben?
Denn Ernte ist nicht nur etwas, das wir für uns behalten. Fülle kann geteilt werden.
Alles wandelt sich
Nicht jede Frucht wird geerntet. Nicht alles, was begonnen wurde, muss vollendet werden.
Manches fällt zurück auf die Erde, vergeht und wird Teil des Bodens, aus dem später wieder Neues wachsen kann.
Auch das gehört zu Lammas.
Nicht jeder Weg, den wir begonnen haben, muss bis zum Ende gegangen werden. Nicht jede Idee muss Wirklichkeit werden. Nicht alles, was wir einmal wollten, entspricht uns heute noch.
Was wir zurücklassen, war deshalb nicht umsonst.
Es hat uns geprägt, genährt, etwas gelehrt – und kann zum Boden für etwas Neues werden.
Nichts bleibt, wie es ist. Und nicht alles muss bleiben, damit etwas wertvoll gewesen ist.
Die eigene Ernte würdigen
Im Ritual nehmen wir uns Zeit, auf unsere eigenen Felder zu schauen.
Wir würdigen, was gewachsen ist. Wir danken für das, was uns nährt. Und wir fragen uns, wo eine Entscheidung oder ein Schnitt notwendig geworden ist.
Vielleicht erkennen wir dabei auch etwas, das wir bisher übersehen haben.
Eine Frucht unseres Weges.
Eine Fähigkeit, die gewachsen ist.
Eine Veränderung, die längst stattgefunden hat.
Lammas lädt uns ein, unsere Ernte anzunehmen – nicht erst dann, wenn alles vollkommen ist.
Denn manchmal besteht die eigentliche Ernte darin, zu erkennen, was längst gewachsen ist.
Möchtest du dabei sein?
Wenn dich dieses Ritual anspricht, freue ich mich, dich im Kreis der Frauen willkommen zu heissen. Über das folgende Formular kannst du dich direkt anmelden.



