Samhain – Das Fest der Ahn:innen und des Loslassens

Ahn:innenfest · Vergänglichkeit · Loslassen · Erinnerung · Übergang

Die Tage sind kurz geworden. Die Natur zieht ihre Kräfte zurück. Blätter fallen, Pflanzen sterben ab und die Erde wird stiller.
Was im Frühling erwacht ist, gewachsen ist und Früchte getragen hat, kehrt nun zurück zur Erde.

Samhain führt uns an diese Schwelle.

Es ist ein Fest des Abschieds und der Vergänglichkeit – und zugleich ein Fest der Erinnerung und der Verbundenheit mit denen, die vor uns waren.

In alten Traditionen markierte Samhain das Ende des Sommers und den Übergang in die dunkle Jahreszeit. Zugleich endete ein Jahr und ein neues begann.

So steht Samhain zwischen dem Alten und dem Neuen.

Was ist zu Ende gegangen?
Was darf ich loslassen?
Und was trägt mich weiter, auch wenn etwas nicht mehr da ist?

Wenn das Alte zu Ende geht

Zu Mabon haben wir auf unsere Ernte geschaut und gewürdigt, was das Jahr uns gebracht hat.

Samhain geht einen Schritt weiter.

Die Natur zeigt uns jetzt unübersehbar, dass zum Leben auch das Sterben gehört. Die Bäume lassen ihre Blätter fallen. Pflanzen ziehen sich zurück. Was seine Zeit erfüllt hat, vergeht.

Die Natur hält nicht fest.

Auch in unserem Leben gibt es Dinge, deren Zeit zu Ende geht.

Eine Beziehung. 
Eine Aufgabe. 
Eine Vorstellung davon, wie etwas sein sollte. 
Eine Rolle, die nicht mehr zu uns passt. 
Vielleicht auch ein Mensch, von dem wir Abschied nehmen mussten.

Samhain lädt uns ein, dem Ende einen Platz zu geben.

Nicht, damit es schneller vorübergeht.

Sondern damit wir würdigen können, was gewesen ist.

Unsere Wurzeln und unsere Ahn:innen

Samhain ist seit alter Zeit auch ein Fest des Ahn:innengedenkens.

Nach traditioneller Vorstellung ist die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Anderswelt in dieser Zeit besonders durchlässig. Man erinnerte sich an die Verstorbenen, erzählte von ihnen und stellte beim gemeinsamen Essen sogar ein zusätzliches Gedeck für die Ahn:innen bereit.

Hinter diesen alten Bräuchen liegt etwas, das uns bis heute berühren kann:

Wir kommen nicht aus dem Nichts.

Menschen waren vor uns da. Sie haben gelebt, geliebt, gehofft, gelitten, Entscheidungen getroffen und Wege beschritten. Ein Teil ihrer Geschichte lebt in uns weiter.

Manches davon trägt und stärkt uns.

Anderes möchten wir vielleicht nicht weitertragen.

Samhain lädt uns ein, beidem zu begegnen.

Was habe ich von meinen Ahn:innen empfangen? 
Was möchte ich in Ehren weitertragen? 
Und was darf mit mir enden?

Dem Vergänglichen begegnen

Tod und Vergänglichkeit gehören zum Leben – und doch fällt es uns oft schwer, ihnen Raum zu geben.

Samhain lädt uns nicht dazu ein, die Dunkelheit zu suchen oder sie zu verklären. Es lädt uns ein, nicht vor ihr wegzuschauen.

Denn Abschied kann traurig machen.
 Loslassen kann schmerzen. 
Das Unbekannte kann Angst auslösen.

All das darf sein.

Vielleicht müssen wir nicht jede Dunkelheit sofort mit Licht füllen.

Vielleicht gibt es Zeiten, in denen wir einfach bei dem bleiben dürfen, was ist.

Auch die Dunkelheit gehört zum Kreislauf des Lebens.

Zwischen den Welten

Samhain ist ein Schwellenfest.

Das Alte ist vergangen – und das Neue ist noch nicht sichtbar.

Dazwischen liegt ein Raum, den wir im Alltag oft nur schwer aushalten: das Nichtwissen.

Wer bin ich, wenn etwas Vertrautes nicht mehr da ist? 
Was bleibt, wenn ich loslasse? 
Was wird entstehen?

Auf diese Fragen gibt es vielleicht noch keine Antwort.

Und genau darin liegt eine besondere Qualität dieser Zeit.

Wir müssen noch nicht wissen, wie es weitergeht.

Wir dürfen einen Moment an der Schwelle stehen.

Erinnern, würdigen, loslassen

Im Ritual nehmen wir uns Zeit für unsere Ahn und für die Menschen, die nicht mehr bei uns sind.

Wir erinnern uns. Wir danken. Wir würdigen, was sie uns mitgegeben haben.

Und wir wenden uns auch dem zu, was in unserem eigenen Leben zu Ende gegangen ist oder gehen möchte.

Vielleicht gibt es etwas, das wir dem Feuer übergeben möchten. 
Vielleicht einen Namen, den wir noch einmal aussprechen. 
Eine Erinnerung, die einen Platz bekommen darf. 
Oder etwas Altes, das wir nicht länger mit uns tragen möchten.

So wird Loslassen nicht zum Vergessen.

Wir dürfen bewahren, was uns nährt – und gehen lassen, was seinen Weg mit uns vollendet hat.

Samhain erinnert uns daran, dass jedes Ende Teil eines grösseren Kreislaufs ist.

Noch wissen wir nicht, was aus der Dunkelheit entstehen wird.

Das müssen wir auch nicht.

Jetzt ist die Zeit, still zu werden, unseren Wurzeln zu begegnen und dem Vergangenen seinen Platz zu geben.

Möchtest du dabei sein?

Wenn dich dieses Ritual anspricht, freue ich mich, dich im Kreis der Frauen willkommen zu heissen. Über das folgende Formular kannst du dich direkt anmelden.

Anmeldung Rituale

 

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